Kopfschmerzen

Überblick

Kopfschmerzen sind neben Rückenschmerzen die häufigste Form chronischer Schmerzen. 2007 schätzte
die AOK in Deutschland 8 Millionen chronische Schmerzpatienten. Etwa die Hälfte von diesen, rund 4 Millionen Betroffenen, leiden unter chronischen Kopfschmerzen wobei Migräne und Spannungs-kopfschmerzen mit einem Anteil von 90 % die mit Abstand häufigsten Kopfschmerzformen darstellen. Diese sind nicht nur wegen des Schmerzes eine Qual, sondern auch, weil zunehmend eine Angst vor der nächsten Schmerzattacke wächst und der Schmerz das gesamte Tagesgeschehen des Betroffenen dominieren kann. Warum schmerzt der Kopf, welche Kopf-schmerzarten sind zu unterscheiden, und was beinhaltet eine wirksame Kopfschmerztherapie? 

Arten von Kopfschmerzen

Die International Headache Society (IHS) unterscheidet in der 2013 veröffentlichten Klassifikation ICHD-3 über 250 Kopfschmerzarten. Diese lassen sich in drei Hauptgruppen abbilden. Man unterscheidet primäre Kopfschmerzen und sekundäre Kopfschmerzen. Erstere stellen eine eigene Erkrankung dar, die sekundären Kopfschmerzen hingegen sind als (Warn-)Symptome für eine andere Erkrankung zu betrachten. Daneben gibt es eine dritte Kategorie an Kopfschmerzen, zu denen u. a. Kraniale Neuralgien gehören. Je nach Art der Kopfschmerzerkrankung stellen sich unterschiedliche Herausforderungen hinsichtlich Identifikation und Therapie. Im Folgenden soll ein Überblick über die häufigsten Kopfschmerzarten mit chronischem Verlauf gegeben werden. 


Migräne 

Laut der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) treten in Deutschland 350.000 Migräneanfälle täglich auf. Frauen sind von Migräne doppelt so häufig betroffen wie Männer. Studien zur Entstehung der Migräne weisen eine genetische Komponente nach, d. h. Migräne- Patienten haben eine angeborene Neigung (genetische Prädisposition) zu dieser Erkrankung, die eine komplexe Funktionsstörung des Gehirns darstellt. Die Migräne kann ohne oder mit so genannter „Aura“ auftreten. Diese bezeichnet Symptome der Migräne, die den folgenden Kopfschmerzphasen vorausgehen. Besonders häufig sind hierbei Sehstörungen. Etwa 10-20 % der Patienten weisen eine Migräne mit Aura auf. Der Schmerzcharakter einer Migräne kann als pulsierend pochend beschrieben werden. In 2/3 der Fälle sind diese Kopfschmerzen einseitig und können zwischen vier Stunden bis drei Tage anhalten. Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit können als Begleitsymptome auftreten. Migräne-Patienten weisen während der Schmerzattacken auch psychische Veränderungen auf. So neigen sie zu sozialem Rückzugsverhalten. Die akutmedizinische Versorgung behandelt u. a. die Begleitsymptome wie Übelkeit/Brechreiz sowie unmittelbar den Schmerz (zunächst Acetylsalicylsäure, bei Wirkungslosigkeit ein Triptan). 


Spannungskopfschmerz 

Dieser sehr häufige chronische Kopfschmerz wird durch die Muskulatur der Halswirbelsäule (HWS), deren Grundspannung (Muskeltonus) zu hoch ist, verursacht. Die Ansätze der Nackenmuskulatur reichen bis an den Hinterkopf. Spannungskopfschmerzen zeichnen sich vorrangig durch dumpf drückende Schmerzen („Schraubstock“) aus, können einen ganzen Tag anhalten und werden häufig von Symptomen wie Schwindel und Schlafstörungen begleitet. Die zu hohe Muskelspannung wird durch zwei Faktoren verursacht: 

  • Eine anhaltende Fehlbelastung an z. B. Schreibtischarbeitsplätzen (insuffiziente Muskulatur, wenig Bewegung, einseitige Anspannungen) die zur Reizung und Überlastung der Muskulatur führen. 
  • Psychische Faktoren/Stressoren (z. B. Dysstress am Arbeitsplatz, soziale Konflikte, fehlende Kompensation & Ausgleichsaktivitäten) welche zu einem anhaltend erhöhten Muskeltonus führen. 


Mischkopfschmerz & medikamenteninduzierter Kopfschmerz 

Migräne und chronischer Spannungskopfschmerz treten häufig auch kombiniert in Form eines Mischkopfschmerzes auf. Weiterhin kann ein so genannter medikamenteninduzierter Kopfschmerz hinzukommen. Viel zu wenig bekannt ist, dass die meisten Kopfschmerzmedikamente ab einer bestimmten Dosis ihrerseits Kopfschmerzen verursachen. Hierbei ist die erste Behandlung dieser Patienten ein Medikamentenentzug, in dem die Analgetika abrupt abgesetzt werden. Es können dabei Entzugsphänomene auftreten, die psychopharmakologisch abgedämpft werden. Schmerzpatienten sind in diesem Zustand nicht arbeitsfähig. Der Entzug dauert in der Regel 10-14 Tage an. Dann sind die Entzugserscheinungen wie starke innere Unruhe und massive Schlafstörungen überstanden. Eine vollständige Normalisierung des Schlafrhythmus kann mehrere Monate andauern. Die Hauptherausforderung besteht darin zu lernen, dass außer bei der Akutbehandlung eines Migräneanfalls Medikamente bei chronischen Kopfschmerzen nicht hilfreich sind und nach-haltige Erfolge für den Alltag intensivere Therapien erfordern. 


Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen 

Bei den sekundären oder symptomatischen Kopfschmerzen liegt die größte Herausforderung in der Diagnostik bzw. Differenzial-diagnostik (Ausschluss). Bei diesen Kopfschmerzerkrankungen kann es sich zum Teil um sehr gefährliche, lebensbedrohliche Krankheiten handeln. Das Problem liegt also zunächst in der Identifikation bzw. dem Ausschluss dieser Erkrankungsarten. Die Schmerzbehandlung (z. B. Betäubung durch Schmerzmittel) darf nicht im Vordergrund stehen, da hierbei kritische Ursachen übersehen werden können. Gefährliche sekundäre Kopfschmerzen müssen immer dann angenommen werden, wenn neben den Kopfschmerzen noch andere Symptome zu beobachten sind – z. B. Nackensteifigkeit (mögliche Subarachnoidalblutung), Fieber (mögliche Entzündung), Vergesslichkeit (mögliches chronisches subdurales Hämatom), neurologische Ausfälle (mögliche Arteriitis cranialis), Erbrechen (möglicher Hirndruck). Hierbei kommen akute Notfälle vor (Subarachnoidalblutung, Herpesenzephalitis), es gibt aber auch chronische Verläufe. 

Betroffene sollten sich bei plötzlich auftretenden, ungewohnten, anhaltenden und zunehmenden Kopfschmerzen möglichst bald an einen Spezialisten (Neurologen) wenden. Dieser kann dann die entsprechenden diagnostischen Maßnahmen unverzüglich durchführen. 


Therapie

Migräne

Neben akutmedizinischer Versorgung ist die Intervalltherapie von großer Bedeutung. Das sind Maßnahmen, die regelmäßig zwischen den Schmerzattacken durchgeführt werden. Sie lassen Migräneanfälle seltener, kürzer und weniger intensiv werden, so dass die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessert wird.

Spezifische Verfahren der alternativen Schmerztherapie können dazu sehr gute und nachhaltige Erfolge innerhalb der Intervalltherapie nachweisen. Hierzu zählen das Vegitativum roborierende (abhärtende) und stabilisierende Maßnahmen, welche folgende Elemente beinhalten die von den Betroffenen zum Teil selbst umgesetzt werden können: 

  • Körperliche Bewegung – 5 mal pro Woche, jeweils 40 Min.
  • Wechselduschen – 2 mal täglich 6 Min., 3 mal je 1 Min. heiß und kalt im Wechsel 
  • Abbau chronischer Konflikte (z. B. in Partnerschaft, am Arbeitsplatz), ggf. mit professioneller psychologischer Unterstützung 
  • Reduzierter Konsum psychotroper Substanzen (u. a. Alkohol, Analgetika, Psychopharmaka) 
  • Feste Tagesstruktur 
  • Regelmäßiger erholsamer Schlaf 
  • Führen eines Kopfschmerzkalenders. Dies ist für den Erfolg der Therapie sehr wichtig, um den Verlauf der Migräne beurteilen zu können.  

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerz ist auch eine psychosomatische Erkrankung. Durch eine regelmäßige Einnahme von Analgetika (Schmerzmitteln) mutet sich der Patient mehr zu, als er eigentlich von seiner Muskulatur her leisten kann. Es befindet sich sehr bald in einem Teufelskreis (Muskelfunktionsstörung mit Schmerzen -> eingeschränkter Muskelleistungsfähigkeit -> vermehrten Schmerzen -> vermehrten Schmerzmitteln -> zunehmender Überbelastung der Muskulatur usw.) 

Eine vorrangig bzw. anhaltende medikamentöse Behandlung ist daher nicht zielführend. 

Eine Behandlung im Therapie-Zentrum Koblenz sieht stattdessen zunächst eine Behandlung der HWS-Muskulatur vor wobei der Muskeltonus normalisiert wird und die Muskulatur aus ihrem Reizzustand herausgelöst wird. Zudem muss ihre Leistungsfähigkeit hinsichtlich Ausdauer und Koordination (harmonisches und effizientes Zusammenspiel von Muskelgruppen) verbessert werden. Immerhin müssen die Nackenmuskeln unseren Kopf jeden Tag 16-17 Stunden halten. Da psychische Belastungsfaktoren einen anhaltend erhöhten Muskeltonus verursachen können, kann ebenfalls eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich sein, um Stressoren und innere Konflikte abzubauen. Diese Behandlung ist insgesamt aufwändig, weist jedoch eine sehr gute Prognose mit anhaltenden Erfolgen auf. 


Infos zum Artikel

Kügelgen, B. & Kügelgen, M. (2014). Chronische Kopfschmerzen. In: Watterich Verlag GmbH (Hrsg.),
TOP GesundheitsForum Mittelrhein, X. Jahrgang, Ausgabe X, S. X-X.


Den vollständigen Bericht finden Sie hier als PDF: 

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